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PwC untersuchte, wie Industrieunternehmen an Industrie 4.0 herangehen. Ihr Fazit: Die Umsetzung ist in vollem Gange. In Österreich liegt der Fokus auf der Verbesserung der Planungsprozesse in Produktion und Fertigung.

30 Prozent aller befragten 2.000 Industrieunternehmen in 26 Ländern stufen ihren Digitalisierungsgrad als hoch ein, in Österreich sind es ebenso 30 Prozent. Dieser Wert soll innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 72 Prozent steigen (Österreich: 77 Prozent). Digitalisiert werden wesentliche Funktionen innerhalb der vertikalen Wertschöpfungskette sowie horizontal mit Partner/-innen entlang der Lieferkette. Ebenso im Fokus sind die Stärkung des Produktportfolios mit digitalen Funktionen sowie innovative datenbasierte Dienstleistungen.

Weltweit wollen die Firmen jährlich rund fünf Prozent ihres Umsatzes aus dem digitalen Geschäft investieren. Bezogen auf die Befragten errechnete PwC ein Investitionsvolumen von rund USD 907 Milliarden. Der Großteil wird für digitale Technologien wie Sensoren oder Geräte für Konnektivität, für Software und Anwendungen wie Produktionsleitsysteme ausgegeben. Auch Mitarbeiter/-innen-Trainings und organisatorische Veränderungen sollen damit abgedeckt werden. 55 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sich diese Aufwendungen innerhalb von zwei Jahren rechnen.

Jährlich erwarten die Befragten im Schnitt eine Kostenreduktion von 3,6 Prozent sowie ein Umsatzplus von 2,9 Prozent. Dies würde, so PwC, eine Kosteneinsparung von USD 412 Milliarden bei gleichzeitiger Umsatzsteigerung von USD 493 Milliarden bringen.

Industrie 4.0 wird laut den Experten/-innen die Wettbewerbslandschaft in den kommenden fünf Jahren grundlegend verändern. Am Ende erwarten sie, dass erfolgreiche Industrieunternehmen zu digitalen Enterprises werden, in denen physische Produkte den Kern bilden, die durch digitale Schnittstellen sowie datenbasierte und innovative Dienstleistungen erweitert werden. Die Zusammenarbeit mit Kunden/-innen und Lieferanten/-innen soll in einem industriellen digitalen Ökosystem stattfinden.

Eine Herausforderung ist aus Sicht der befragten Unternehmen der sinnvolle Einsatz von Data Analytics. Probleme erwarten sie weniger in der Anschaffung der benötigten Technologie als in Ermangelung der nötigen internen digitalen Kultur, Vision und Trainings sowie in fehlenden Spezialisten/-innen. Beispielsweise haben meist nur Einzelpersonen Analytics-Kompetenzen, aber kaum ganze Teams. Damit verbunden ist auch die Gewährleistung der Datensicherheit, vor allem in den entstehenden vernetzten digitalen Ökosystemen, die die Unternehmensgrenzen verschwimmen lassen.

Trace & Trace-Lösungen erlauben zukünftig die Verfolgung des Produktflusses, ermöglichen die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen über den gesamten Produktlebenszyklus und schaffen engeren Kontakt zu Endverbraucher/-innen.

Laut PwC ist der Wandel nicht nur in den Industriestaaten, sondern in allen Ländern erkennbar. Der Reifegraf der digitalen Integration wird sich der Studie zufolge in den verschiedenen Regionen in fünf Jahren weitestgehend angeglichen haben. Führend wären Japan, Deutschland oder die USA. Industrie 4.0 würde, so PwC, die Kluft zwischen den Regionen nicht vergrößern, sondern vielmehr Unternehmen und Länder enger miteinander verbinden und die Globalisierung voranbringen.

Regionale Schwerpunkte ließen sich in der Studie feststellen: Konzerne in Japan oder Deutschland nutzen Industrie 4.0 vor allem zur Steigerung ihrer Effizienz und Produktqualität. In den USA ist eher die Tendenz ersichtlich, mithilfe digitaler Angebote und Dienstleistungen neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Produkte und Dienstleistungen möglichst schnell digital anzubieten. Chinesische Produktionsunternehmen wollen sich durch Kostenreduktionen besser gegen internationale Mitbewerber behaupten.

Unter den 100 befragten österreichischen Industrieunternehmen stufte ein Drittel seinen Digitalisierungsgrad als hoch ein (Erwartung 2021: 77 Prozent). Noch vor einem Jahr lag ihr Anteil bei einem Viertel. Der Fokus liegt vor allem darauf, Planungsprozesse in der Produktion und Fertigung zu verbessern.  2015 hatten die befragten Firmen vor, knapp vier Prozent des Jahresumsatzes für Industrie 4.0-Projekte aufzuwenden, 2016 waren es 4,7 Prozent. PwC errechnete daraus ein Investitionsvolumen von EUR 4 Milliarden. 85 Prozent der österreichischen Studienteilnehmer/-innen wollen in den nächsten fünf Jahren ihre Wertschöpfungskette digitalisiert haben. 20 Prozent Produktivitätsverbesserungen werden erwartet und 2,6 Prozent Umsatzsteigerung. Dies wären rund EUR drei Milliarden Mehrumsätze pro Jahr für die österreichische Industrielandschaft. Auch neue, oftmals disruptive, digitale Geschäftsmodelle könnten dazu beitragen.

Betreffend Data Analytics halten 23 Prozent der österreichischen Befragten ihr Unternehmen für fortgeschritten, 48 Prozent gehen von einem mittleren Entwicklungsstand aus und 26 Prozent sehen deutliche Defizite. Drei Prozent vergeben diese Aufgaben an externe Spezialisten/-innen.

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