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Am 16.12.2015 gab die Coop-Tochter Bell den Kauf des oberösterreichischen Geflügelspezialisten Huber bekannt. Mit der Zustimmung der Wettbewerbs-Behörden rechnet das Unternehmen Anfang 2016. Ab dann besitzt die Schweizer Fleisch- und Convenienceherstellerin Hubers Landhendl GmbH in Pfaffstätt (Bezirk Braunau/OÖ), die auf Putenfleisch spezialisierte Süddeutsche Truthahn AG in Ampfing (Bayern) sowie eine Brüterei und ein Logistikunternehmen in Österreich.

Die Coop Genossenschaft mit rund 2,5 Millionen Mitgliedern gehört zu den größten Detailhandels- und Großhandelsunternehmen der Schweiz. Sie trieb in den letzten Monaten ihre Österreich-Expansion voran. Im November übernahm ihre Tochter, Transgourmet, von Pfeiffer in Österreich tätige Firmen: 100 Prozent von C + C Pfeiffer sowie 50 Prozent an Top Team Zentraleinkauf zählen seit November 2015 zur Genossenschaft.

Huber begründete den Verkauf mit der Suche nach einem Investoren/einer Investorin für die Nutzung von Absatz- und Wachstumschancen. Der Verlust des Großkunden Zielpunkt machte die Verkaufsentscheidung ebenfalls leichter. Bell sei seit vielen Jahren Kundin für Geflügelfleisch und eine seriöse Partnerin mit Kapital, einer Langfriststrategie, Qualitätsanspruch und hohem Tierschutzstandard. Die Schweizer verkündeten, dass die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Geflügelprodukten kontinuierlich steige. Speziell für Convenience- und Charcuterieprodukte (Wurstwaren) spiele die „Verfügbarkeit der Rohstoffe“ eine immer wichtigere Rolle. Die Schwierigkeit sei, dass zu wenige Landwirte/-innen für die Hühner- und Putenhaltung gewonnen werden könnten. In Österreich beträgt die Eigenversorgung mit Hühnerfleisch nur 80 Prozent, bei Pute sind es rund 40 Prozent. Billigimporte würden der heimischen Ware, die durch aufwendigere Haltung und Fütterung teurer wäre, zu schaffen machen. Durch den Zukauf kann sich Bell gegen die Geflügel-Unterversorgung auch in der Schweiz absichern und mit einer neuen Produktgruppe in den österreichischen und deutschen Markt einsteigen.

Die Geschwister Johannes und Silvia Huber hatten 2010 die Geschäfte nach dem überraschenden Tod ihrer Mutter übernommen. Bis 2015 steigerten sie die Anzahl der Beschäftigten von 600 auf 900, der Umsatz wuchs von EUR 150 auf EUR 250 Millionen. Das jüngste Geschäftsjahr schlossen sie mit dem Rekordergebnis von EUR 12,5 Millionen (EGT) ab. Über 400 vertraglich gebundene Landwirtschaftsbetriebe liefern das verarbeitete Geflügel. Das Pfaffstätter Werk von Hubers Landhendl, dem österreichischen Marktführer im Geflügelbereich, produziert wöchentlich rund 850 Tonnen Hühnerfleisch. Die Eierbrüterei in Pettenbach – die größte Österreichs – sowie der Logistikbetrieb Frisch Express GmbH beschäftigen rund 100 Personen. Bell kaufte die jeweils 50-prozentigen Anteile der Geschwister und sicherte der Geschäftsführung aus Johannes Huber und Dieter Bockhorn ihre Funktionen zu.

An 27 Standorten in sieben Ländern erzeugt Bell Fleischprodukte. Das Unternehmen produziert nicht nur für Coop, sondern auch Markenartikel für die ganze EU. Der Mutterkonzern Coop betreibt Supermärkte, Warenhäuser, Restaurants, Heimwerkermärkte, Apotheken, Tankstellen- und Convenience-Shops sowie den Online-Shop coop@home. Zusätzlich zu Bell und Transgourmet gehören auch die Unterhaltungselektronik-Ketten Interdiscount und Dipl. Ing. Fust, der Online-Shop microspot.ch, das Möbelhaus Toptip, der Beleuchtungs-Fachmarkt Lumimart, die Import Parfumerie, Christ Uhren und Schmuck, die Nettoshop AG sowie die Marché-Restaurants zur Schweizer Genossenschaft.