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PwC erstellt seit mehreren Jahren den Global Economic Crime Survey. Die aktuelle Version wurde Ende Februar 2016 präsentiert und zeigt neue Herausforderungen.

Die stärkste Bedrohung aus Sicht der internationalen CEOs sind vor allem Bestechung und Korruption (Zunahme von 51 Prozent auf 56 Prozent). Den österreichischen Geschäftsführer/-innen bereiten vor allem Cyberkriminalität (47 Prozent) und Wirtschaftskriminalität (34 Prozent) Sorgen.

36 Prozent aller befragten Unternehmen waren in den letzten 24 Monaten von Wirtschaftskriminalität betroffen, sowohl in entwickelten Ländern als auch in aufstrebenden Märkten. Die höchsten Anstiege nach Sektoren verzeichneten Luftfahrt und Verteidigung (+9 Prozent), Transport und Logistik (+8 Prozent) sowie Energie, Versorgungsunternehmen und Bergbau (+6 Prozent). Finanzdienstleister wurden häufig besonders von Cyberkriminellen heimgesucht (52 Prozent, + sieben Prozent gegenüber 2014). Dahinter folgten Kommunikation (44 Prozent, 14-prozentiger Anstieg), Chemie (34 Prozent, +12 Prozent), Pharma (31 Prozent, +21 Prozent), Versicherungen (29 Prozent, +13 Prozent) sowie staatliche Einrichtungen und Staatsbetriebe (29 Prozent, +17 Prozent).

44 Prozent halten die staatlichen Stellen nicht für ausreichend ausgestattet, um Wirtschaftskriminalität zu untersuchen, und denken, dass die Verantwortung an die Firmen abgegeben wird. Allerdings halten die Aufklärungs-Mechanismen der Unternehmen laut den Studienautoren/-innen nicht Schritt mit den aktuellen Entwicklungen. Die Kontrollen sollten, so PwC, in die Organisationkultur eingebettet sein. Die Lücke zwischen internen und externen Betrügereien schließt sich. Mehr als die Hälfte aller ernsthaften kriminellen Handlungen wurde intern begangen. Ungeachtet dessen führte eine/-r von fünf Befragten noch nie ein Betrugs-Risiko-Assessment durch.

Die Cyber-Kriminalität steigt stark – sie ist die zweithäufigste Wirtschaftskriminalität, mit der sich Organisationen konfrontiert sehen und betrifft 32 Prozent aller untersuchten Firmen. Nur 37 Prozent haben bisher Notfalls-Pläne installiert. Wichtig ist laut Studie das Engagement der obersten Hierarchieebenen zum Thema – allerdings hinterfragt weniger als die Hälfte der Aufsichtsräte die Cyber-Readiness ihrer Unternehmen.

Eine/-r von fünf Befragten war sich über die Existenz formeller Ethik- und Compliance-Programme nicht im Klaren, viele sind unsicher, wer intern dafür zuständig ist. Die Moral der Beschäftigten (44 Prozent) und Reputations-Schäden (32 Prozent) wurden als die Top-Schäden genannt.

Unter den Banken machte eine von fünf bereits Erfahrungen mit Zwangs-Aktionen durch Regulierungsbehörden. Werden gesetzeswidrige Handlungen nicht unterbunden, dann drohen persönliche Konsequenzen. Trotzdem hat mehr als ein Viertel der Finanzdienstleister/-innen keine umfassenden Analysen über Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung durchgeführt. Die Datenqualität ist für 33 Prozent eine signifikante technische Herausforderung, auch das Fehlen von erfahrenem Personal zum Thema ist kritisch.

PwC befragte online 6.337 Teilnehmer/-innen in 115 Ländern zwischen Juli 2015 und Februar 2016. 45 Prozent der Befragten gehörten dem Vorstand an, 30 Prozent waren Abteilungs- bzw. Geschäftsbereichs-Leiter/-innen. 59 Prozent stammten aus multinationalen Unternehmen, 37 Prozent aus börsennotierten.

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