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Der Abend des 8. Juni 2017 stand im Zeichen des Risikomanagements. Im Rahmen des Fachevents zum Thema „Reifegrade von Risikomanagementsystemen“, welches in Kooperation von EY und Headquarters Austria stattfand, wurden nicht nur aktuelle Trends im Risikomanagement vorgestellt. Im Fokus standen vor allem die unterschiedlichen Reifegrade von Risikomanagementsystemen, wie sie in österreichischen Unternehmen gelebt werden. Unterstrichen wurde diese Darstellung durch einen Einblick in das integrierte Risikomanagementsystem der Austrian Airlines AG.

Nach einführenden Worten durch Leo Hauska, Vorstand von Headquarters Austria, gab Markus Hölzl, Managing Director, Advisory Services EY, einen Überblick zu den wesentlichsten Neuerungen und Elementen des COSO ERM Updates 2017. Dieses verfolgt im Vergleich zum Vorgänger-Modell aus 2004 einen ganzheitlicheren ERM-Ansatz und stellt nicht nur auf die Risikomanagement-Perspektive ab, sondern legt in Zusammenhang mit der Risikobetrachtung nach dem Motto „Aligning Risk with Strategy and Performance“ ein stärkeres Augenmerk auf performance-orientierte und strategische Gesichtspunkte. Daneben wurde die Bedeutung weiterer zentraler Elemente, einerseits die Unternehmenskultur in Verbindung mit der Festlegung des Risikoappetits, sowie das Interne Kontrollsystem als ergänzendes Instrument, hervorgehoben.

Karin Exner, Senior Advisor, Contrast EY führte im Anschluss durch die einzelnen Ausprägungen von Risikomanagementsystemen und wie in Abhängigkeit davon, die Risikobewertung (Eintrittswahrscheinlickeit und Schadenausmaß) und –aggregation erfolgen kann. Die Erfassung wesentlicher Risiken sowie deren qualitative Bewertung bilden die fundamentalen Formen von Risikomanagement. In ausgereifteren Stufen erfolgt bereits eine quantitative Risikobewertung und zudem ist es möglich, Risiken mittels Berechnung eines Schadenerwartungswertes bzw. mit Simulationsmethoden zu aggregieren. Auf der höchsten Ebene werden Risiken als Abweichungen von Planwerten betrachtet, sowie im Rahmen der Bewertung die Wirkung auf operative als auch strategische Zielgrößen berücksichtigt und somit eine noch stärkere Verzahnung von Risikomanagement und Steuerung erzeugt.

Als Best Practice eines integrierten Risikomanagementsystems gilt das Risk-Adjusted Planning der Austrian Airlines AG, wie Stefan Hafenscher, Head of Controlling bei Austrian Airlines, erläuterte. Austrian Airlines ist ein Unternehmen, das aufgrund seines Geschäftsmodells hohen Volatilitäten in seinem Umfeld ausgesetzt ist. Schwer prognostizierbare Schwankungen der Gebühren, Treibstoffpreise sowie Personalkosten erschweren die Planung. Diese wird ebenfalls durch hohe Volatilitäten in der Nachfrage wesentlich beeinträchtigt. Auf diese Weise werden Trends spät erkannt und somit ist das Risiko, Fehlprognosen zu treffen, sehr hoch. Um diese Angriffsfläche durch die Schwächen traditioneller Planung nicht zusätzlich zu vergrößern, nutzt Austrian Airlines im Sinne eines „Risk-Adjusted Planning“ das Risikomanagement als Ergänzung zu den klassischen Controllinginstrumenten.

Das Risikomanagement, welches im Corporate Controlling angesiedelt ist, wird dadurch zum integrierten Steuerungssystem. Die eingesetzte Monte-Carlo Simulation ermöglicht die Bewertung realistischer Extremszenarien, wodurch einerseits die Ausgewogenheit der Planung und andererseits auch der Planungsdialog mit dem Management verbessert werden. Die Anwendung der Risk Simulation ermöglicht der Austrian Airlines beispielsweise eine Bandbreitenplanung des Ergebnisses durch Simulation des Ertragsrisikos. Risikoassessments und Workshops finden während des Planungsprozesses statt, wodurch die Integration von ERM und Controlling verstärkt wird.

Dieser Ansatz bringt ein verbessertes Risikobewusstsein und schnellere Entscheidungen, als auch eine beschleunigte Antizipation von Zusammenhängen und Entwicklungen. Herr Hafenscher, Head of Controlling der Austrian Airlines, sieht allerdings auch Herausforderungen im Zusammenhang mit einem integrierten Risikomanagementsystem. Die Implementierung einer risk-adjusted Planung sei nicht nur sehr aufwändig, auch die Erhaltung dieses Reifegrades sei mit erhöhtem Ressourcenbedarf verbunden. Die Umsetzung erfordere umfassendes Expertenwissen und Kommunikation sowie Akzeptanz des Planungsinstruments stellen eine Herausforderung dar.

Nicht alle Risikomanagementsysteme von Unternehmen einer mit Austrian Airlines vergleichbaren Größe weisen diesen hohen Reifegrad auf. Wie Karin Exner, Senior Advisor, Contrast EY betonte, ist eine Risikoquantifizierung und Simulation nicht in allen Unternehmensgrößen praktikabel, da eine einheitliche Vorgehensweise ab einer gewissen Größe nicht mehr gewährleistet werden kann. Welcher Reifegrad angestrebt wird, ist daher umfassend abhängig von der Risikolandschaft und der Unternehmensgröße.

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