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Phillip Nell, Jan Schmitt, Irene Paternoster

Digitalisierung stellt eine fundamentale Veränderung dar, die bereits weitreichende Folgen für die Unternehmenswelt hat. Im Zusammenhang mit Digitalisierung wird unter anderem über Industrie 4.0, Big Data und Internet of Things gesprochen. Der damit verbundene digitale Wandel wird Geschäftsmodelle, Prozesse, Unternehmenskulturen sowie Organisationsstrukturen gleichermaßen verändern. In der Tat ist der Begriff der „Digitalisierung“ mit einer Vielzahl an Bedeutungen assoziiert: Digitalisierung als neue Möglichkeit, mit Kunden in Interaktion zu treten; Digitalisierung als Chance, die Effizienz von internen Prozessen zu verbessern; oder aber Digitalisierung als fundamentale Veränderung, die das gesamte Geschäftsmodell von Konzernen verändern wird.

Unternehmenszentralen spielen in diesem Kontext natürlich eine wichtige Rolle, da sie die digitale Transformation eines Unternehmens vorantreiben. Die MitarbeiterInnen in den Zentralen beschäftigen sich daher mit der Vielzahl an Fragen, die die Digitalisierung aufwirft. Wie jedoch wirkt sich die Digitalisierung darauf aus, wie Unternehmenszentralen ihre Tätigkeiten organisieren und ausfüllen? Während wir also wissen, womit sich Unternehmenszentralen generell beschäftigen, bleibt weiterhin unklar, inwiefern sich diese Tätigkeiten durch Digitalisierung ändern. Weder die Forschung noch Whitepaper von Beratungsfirmen adressieren dieses Thema.

Unternehmenszentralen haben zu allererst eine fundamentale Verantwortung dem gesamten Konzern gegenüber. Sie müssen unter anderem…

  • Strategien für den Konzern ausarbeiten und auf einzelne Bereiche herunterbrechen,
  • verschiedene Geschäftseinheiten koordinieren,
  • Synergiepotential identifizieren,
  • benötigte Ressourcen verteilen,
  • und letztlich die Umsetzung der Strategien sowie die Effektivität und Effizienz aller einzelnen Geschäftsbereiche kontrollieren.

Gespräche mit Topmanagern verschiedener Unternehmen haben gezeigt, dass in diesen Bereichen die Digitalisierung weit weniger fortgeschritten ist als im operativen Bereich. Ressourcenallokation, Synergieidentifizierung und Strategiegenerierung laufen in vielen Firmen weiterhin ab, als ob es die Digitalisierung nicht gäbe: PowerPoint Präsentationen, face-to-face Meetings und Diskussionen dominieren mit einem Mindestmaß an digitaler Unterstützung.

Dabei könnte die Digitalisierung in diesem Bereich die Verfügbarkeit und Qualität von Informationen sowie die interne Kommunikation und damit einhergehend die Koordination verbessern. Zum Beispiel experimentieren einzelne Firmen mit crowd-Modellen für die Strategie-Generierung. Auch könnte die Budgetallokation auf höchster Ebene durch Advanced Analytics unterstützt werden. Diese sagt vorher, wie sich Budgetentscheidungen auswirken könnten oder wie gut in vergangen Perioden entschieden wurde. Controlling und Projektmonitoring werden in manchen Firmen so aufgesetzt, dass Top Manager sich jederzeit in kleinste Einzelprozesse und -aktivitäten einklinken können. Das hilft dann, die richtigen Fragen zu stellen oder ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wie es um den Implementierungsfortschritt eines Projektes steht – in Echtzeit und nicht erst Wochen später, wenn mal wieder ein Lenkungsausschuss angesetzt ist.

Obwohl klar ist, dass die obengenannten Zuständigkeiten von Unternehmenszentralen durch Digitalisierung beeinflusst werden können, haben wir noch nicht verstanden, wie und zu welchem Grad das Phänomen der Digitalisierung wirklich zu einer Veränderung der Aktivitäten von Unternehmenszentralen führen wird. Auch fehlt uns Wissen darüber, warum dieser Bereich hinterherhinkt. Ein Grund könnte sein, dass viele Top Manager glauben, dass ihre Tätigkeiten nicht oder kaum digitalisiert werden können. Aber stimmt das?

Um ein Verständnis dafür zu gewinnen, wird ein Team rund um Prof. Phillip Nell vom Institut für International Business der WU Wien in den kommenden Wochen eine Forschungsstudie in Zusammenarbeit mit Headquarters Austria durchführen. Wir sind gespannt und hoffen, dass wir zahlreiche Firmen analysieren können.

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