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Johannes Leitner und Hannes Meißner

Managerinnen und Manager international agierender Unternehmen sehen sich mit politischen Entwicklungen konfrontiert, die sie kaum oder bestenfalls nur in sehr geringem Umfang beeinflussen können. Das bedeutet aber nicht, dass ein politisches Risikomanagement sinnlos wäre. Im Gegenteil, ein systematisches und strategisches Management des politischen Risikos bedeutet einen Wettbewerbsvorteil und somit bessere Gewinnchancen für ein Unternehmen. Natürlich haben Organisationen nur selten Einfluss auf die politischen Entwicklungen eines Auslandsmarktes, das heißt aber nicht, dass man nicht mögliche Entwicklungen identifizieren und analysieren könnte, um die Konsequenzen zu antizipieren und passende Strategien zu entwickeln.

Politische Risiken….

Risikofaktoren, die im politischen und institutionellen Kontext eines Landes ihren Ursprung haben, aber Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeiten eines Unternehmens haben, werden Politische Risiken genannt. Ein Beispiel politischen Risikos sind Sanktionen.

Sanktionen scheinen ein wiederentdecktes Instrument in den internationalen Beziehungen zu sein, um politische Probleme durch ökonomischen Druck zu lösen. Dass die US Administration gerne auf Sanktionen zurückgreift, zeigt ein Blick zurück in die vergangenen 6 Monate. Mit dem Ausstieg der USA aus dem Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA), besser bekannt als „Irandeal“, wurden die Sanktionen gegenüber dem Iran verschärft. Ebenso verschärfte die US Regierung im Frühjahr 2018 die Liste an sanktionierten russischen Personen und Unternehmen. Das brachte umgehend österreichische Unternehmen wie die Raiffeisenbank International oder die STRABAG in die Medien, da diese –wie viele andere auch- ein sehr starkes Engagement in Russland aufweisen, und die Befürchtung im Raum steht, dass diese Firmen durch die US Sanktionen gegen Russland negativ betroffen sein könnten. Im August 2018 sanktionierten die USA den türkischen Innen- und den türkischen Justizminister aufgrund eines politischen Konfliktes. Doch nicht nur die USA setzen Sanktionen ein. Auch die Europäische Union (EU) verhängte Sanktionen, etwa gegen Russland oder Myanmar (Burma).

…lauern geopolitisch, national, und regional…

Geopolitische Krisen können über Sanktionen relativ unmittelbar negative Auswirkungen auf österreichische Unternehmen haben, wenn sie in den betroffenen Märkten aktiv sind. Aber nicht nur auf geopolitischer Ebene finden sich politische Risiken für Unternehmen, sondern auch nationale oder regionale politische Entscheidungen und Eliten können zu Risikofaktoren werden. Der Brexit stellt viele Unternehmen vor unklare Rahmenbedingungen. Oligarchische Strukturen in vielen Märkten, die nicht der OECD zugerechnet werden, unterbinden einen gerechten Wettbewerb und führen oftmals zu Korruption und Rechtsunsicherheit. Für international agierende Firmen können derartige Rahmenbedingungen negative Konsequenzen haben, da sie ihre Prozesse nicht optimal anpassen können, oder Marktzugänge durch informelle Praktiken verschlossen bleiben.

Politische Risiken können auf drei unterschiedlichen Analyseebenen identifiziert werden, der geopolitischen Ebene, der Makroebene – bei der noch weiter zwischen internen und externen Faktoren differenziert werden kann – und der Mikroebene. Auf der geopolitischen Ebene werden Faktoren wie globaler Terrorismus, geopolitische Machtstrategien verschiedener Länder oder aber auch globale Konflikte subsumiert.  Die Makroebene hingegen befasst sich mit den politischen Risikofaktoren, die sich in einem Land aufgrund der innen- und außenpolitischen Dynamik aber auch aufgrund der spezifischen Regimetypologie ergeben. Unterschieden wird zwischen externen Politischen Risikofaktoren wie regionale oder bilaterale Konflikte oder aber die Qualität der diplomatischen Beziehungen. Ebenso bedeutend kann die grundlegende Ideologie und Programmatik gegenüber internationalen Unternehmen in einem bestimmten Auslandsmarkt sein. Je feindseliger die politische Einstellung gegenüber internationalen Unternehmen, desto höher das Politische Risiko. Demgegenüber liegt der Fokus bei der internen Perspektive auf denjenigen Faktoren, die sich aus der innenpolitischen Konstellation ergeben. Darunter fällt etwa die politische Stabilität, die Faktoren wie Aufstände oder Streiks beinhaltet, aber auch inwiefern ein Staat sein Gewaltmonopol im gesamten Staatsterritorium ausüben kann oder wie geregelt Regimewechsel in einem Staat ablaufen. Auf der Makroeben finden sich ebenfalls Politischen Risiken, die sich aufgrund von State Capture ergeben. Das Phänomen des State Capture bezieht sich auf Konstellationen, die sich dadurch auszeichnen, dass private Netzwerke wie Klans, Familien- und Freundschaftsnetzwerke oder auch Businessgruppen öffentliche Positionen besetzen und diese dann für ihre privaten, ureigenen Ziele missbrauchen. Die Mikroperspektive befasst sich selektiv mit denjenigen Risikofaktoren eines Marktes, die speziell für ein einzelnes Unternehmen oder auch Projekt relevant sind.

…und können professionell gemanagt werden!

Politische Risiken sind kein neues Phänomen, sondern begleiten Unternehmen seit jeher. Das Management politischer Risiken kann aber in vielen Fällen professionalisiert werden, um optimale Unternehmensentscheidungen treffen zu können. Darauf werden wir in unserem nächsten Beitrag genauer eingehen.