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Johannes Leitner und Hannes Meißner

Politische Risiken können…

Die Ursachen politischer Risiken sind für Unternehmen in vielen Fällen kaum steuerbar. Vor allem auf geopolitischer Ebene haben Unternehmen, auch multinational agierende Konzerne, nur wenig oder keinen Einfluss. Ob Präsident Trump auf Druck des Kongresses die Sanktionen gegen Russland verschärft oder nicht, wird für ein österreichisches Unternehmen nicht steuerbar sein.

Oft stellt sich für Managerinnen und Manager die Frage, warum sich mit politischen Risiken auseinandersetzen, wenn diese Faktoren nicht zu managen sind? Die Frage, ob politische Risiken gemanagt werden sollen oder nicht, ist eine rhetorische. Denn ebenso wenig können einzelne Unternehmen die Ursachen ökonomischer Krisen, oder die Strategien ihrer Konkurrenz beeinflussen. Dennoch würde wohl kein CEO behaupten, das ökonomische Umfeld müsste nicht analysiert und daraus strategische Unternehmensentscheidungen abgeleitet werden.

…gemanagt werden, und zwar…

Der Handlungsspielraum für ein Unternehmen erweitert sich durch ein systematisches Management politischer Risiken substantiell. Die Entscheidung lautet demnach nicht, ob ein politisch riskanter Markt bearbeitet werden soll oder nicht, sondern, wie die möglichen negativen Konsequenzen politischer Risiken gemanagt werden können, um die Chancen des Marktes nutzen zu können. Beispiele für negative Auswirkungen politischer Risiken sind Sanktionen, Zahlungsausfälle, fehlender Zugang zu Ausschreibungen und Benachteiligung bei intransparenter Auftragsvergabe.

Was also ist zu tun?

…identifizieren…

Erstens: Unternehmen müssen den politischen Kontext ihrer Unternehmensstrategien und auch ihrer einzelnen Business Cases genau analysieren, um mögliche politische Risiken zu identifizieren. Das Management muss sich also die Frage stellen, welche politischen Entwicklungen, und welche politischen Stakeholder für das Projekt oder den Business Case riskant sein könnten. Dieser erste Schritt dient dazu, sich dem politischen Kontext bewusst zu werden und relevante Einflussfaktoren zu identifizieren. Wenn etwa ein Unternehmen plant, nach Russland zu exportieren oder vor Ort einen Standort zu eröffnen, stellt der politische Kontext auf mehreren Ebenen mögliche Risiken dar. Auf globaler Ebene die Frage nach den EU und US-Sanktionen gegen Russland, bzw. die russischen restriktiven Gegenmaßnahmen. Ebenso müssen die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und Österreich beobachtet werden, die bis zu einem gewissen Grad jedenfalls positiv oder negativ auf einen Business Case wirken können.

…analysieren…

In einem zweiten Schritt muss das Management die identifizierten politischen Risikofaktoren analysieren. Die politischen Risiken müssen dahingehend evaluiert werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit der politische Risikofaktor tatsächlich eintreten kann, und wie das Unternehmen, das Projekt oder der Business Case davon betroffen wäre. Aus diesen beiden Dimensionen lässt sich eine Priorisierungsmatrix ableiten die dem Management dabei hilft, Strategien für unterschiedliche politische Risiken zu entwickeln. Diese Strategien können darauf abzielen, die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Risikos zu beeinflussen, und/oder möglichen negativen Konsequenzen entgegenzusteuern.

…managen…

Drittens muss das Management auf die jeweiligen politischen Risiken, entsprechend der davor evaluierten Priorität, angemessene Strategien entwickeln, um deren Realisierung bzw. negativen Konsequenzen abzuwenden. Dabei können wiederum vier generische Strategien angewendet werden. Das Management kann entscheiden, das Risiko schlichtweg zu akzeptieren, keine weiteren Maßnahmen zu treffen, und die Geschäftstätigkeiten starten. Allerdings solle hier bedacht werden, dass diese Strategie umso riskanter ist, je schlechter das Management über den politischen Kontext informiert ist.

Eine weitere Option besteht darin, das Risiko zu mitigieren, also entweder die Eintrittswahrscheinlichkeit und/oder die möglichen Konsequenzen sie niedrig wie möglich zu halten.
Aber, einem Unternehmen steht auch die Möglichkeit offen, das Risiko zu transferieren. Dabei überträgt das Unternehmen die Risiken auf einen Partner, der bereit ist, üblicherweise gegen eine bestimmte Prämie, dieses zu übernehmen. Beispielsweise können Exporte über die Österreichische Kontrollbank gegen bestimmte politische Risiken versichert werden.
Schließlich bleibt dem Management immer die Option, das Risiko gänzlich zu vermeiden und die Geschäftstätigkeit nicht aufzunehmen.

…eröffnet neu Handlungsoptionen!

Das Ziel eines systematischen Managements politischer Risiken besteht genau darin, diese letztgenannte Option der Vermeidungsstrategie weitestgehend zu vermeiden. Durch ein professionelles Management des gesamten politischen Risikoprozesses soll dem Unternehmen der Handlungsspielraum erweitert werden und die Aufnahme von Geschäftstätigkeiten ermöglicht werden, die sonst nicht wahrgenommen würden.

Wenn dieses Ziel erreicht wird, dann legitimieren sich auch die durch ein professionelles politisches Risikomanagement entstehenden Kosten. Denn entweder werden dem Unternehmen neue Einnahmenquellen eröffnet, oder aber das politische Risiko bewahrt das Unternehmen vor verlustreichen Fehleinschätzungen.
Aber darauf wird dann der dritte Teil der Serie über politisches Risikomanagement genauer eingehen.

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